Handlung & Plot,  Schreibtipps

#1 Was ist dieses … Plotten?

Meines rationalen Wesens wegen, beginne ich mit einer Definition:

Plotten ist das Notieren von Ereignissen deiner Geschichte in chronologischer Abfolge.

Beim Plotten nimmst du also deine Grundidee und formulierst sie von Anfang bis Ende zu einer vollständigen Geschichte aus. Dass mir die Message meiner Idee sehr am Herzen liegt und ich damit meist etwas in der Denke der Menschen losstoßen möchte, habe ich schon in meinem Beitrag Das einsame, gesellige Leben eines Autors erwähnt. Und das aus gutem Grund, denn diese Botschaft transportiert deine Charaktere durch die Geschichte und muss dir von Anfang an bewusst sein, ist also der rote Faden. Viele nennen es auch die Prämisse (wobei sich hier zwei Lager gebildet haben, ob diese die Botschaft oder der Grundkonflikt ist). Meine Meinung: es ist eine Mischung aus beidem.

Nehmen wir mal König der Löwen als Beispiel (Disney-Fan Alert!). Die Prämisse könnte lauten: Vor seiner Verantwortung wegzulaufen, hat Probleme für viele zur Folge. Simba in allen Ehren, aber er hat sich versteckt – vor dem wer er sein sollte. Und zog stattdessen ein Leben ohne Regeln vor. Seine Selbstfindung ist sein persönlicher Konflikt. Dass Scar durch seine Abwesenheit an die Macht kommt und korrupt herrscht ist der Hauptkonflikt. Doch die oben formulierte Prämisse ist ebenso eine Botschaft. By the way: Dass die Prämisse sich nur auf einen Satz belaufen sollte halte ich für einen Mythos und für – schlicht und ergreifend – unmöglich.

Zum Plot gehören weiterhin dein Protagonist, Deutagonist, Antagonist und weitere Nebencharaktere. Während du die Storyline entwickelst, solltest du dich immer fragen:

Was ist ihre Mission? Was sind ihre Ziele und welche Motivationen haben sie? Das Ziel zu wissen ist für viele nicht immer ganz einfach, aber essenziell. Denn wer sich dazu entschieden hat ein Plotter zu sein, der kann seinen Weg nicht gehen, ohne sein Ziel zu kennen. Lästig, aber wahr.

Wenn du dir also diese Fragen beantwortet hast, wählst du den Weg oder auch die Wege, die du mit deinen Charakteren gehen wirst. Denn eine Geschichte besteht nicht nur aus dem Main Plot (Haupthandlung), sondern auch aus Subplots (Nebenhandlungen) und meinen heißgeliebten Plot Twists (Wendepunkte). Du solltest alle drei mit Bedacht in deine Geschichte einbinden, um Spannung und eine Atmosphäre zu erzeugen.

Ein wichtiger Punkt, den ich dir ans Herz legen möchte: Lass dir immer deinen Freiraum. Versuch nicht verkrampft Lücken mit Handlung zu füllen oder genau den Plot runterzuschreiben, den du unter Tränen der Freude und Verzweiflung erstellt hast. Es kann immer passieren, dass du dich bei der Planung täuschst oder dir plötzlich ein Einfall kommt, der nicht angedacht war, aber passend scheint. Plotter sind nicht nur Kopfmenschen, also vertrau auch deinem Bauchgefühl!

An dieser Stelle müssen einige wohl an den Begriff Pantser denken: Die Autoren unter uns, die sich den oben genannten Freiraum immer nehmen und keiner Outline folgen. Sie schreiben drauf los und verlassen sich ganz auf ihre spontane Eingebung, wofür sie meinen größten Respekt haben. Ich beichte: zu meinen Anfängen als Schreiber war ich selbst Pantser. Und kam absolut nicht damit zurecht. Ich bin ein sehr strukturierter Mensch, der gerne plant und alles im Griff hat. Einfach loszuschreiben hat mich in Sackgassen geführt und löste oft eine Unzufriedenheit mit meinen Stories aus.

Natürlich gibt es keine in Stein gemeißelten Gesetze. Womöglich bist du das eine oder andere oder beides … also dann ein Plontser … Pantter … Pink Panther ( sorry – ich geriet auf Abwege).

 

Und zum Schluss des ganzen: Wie plotte ich?

Sehr detailliert. Sehr intensiv. Auf dutzende Arten und Weisen. Beim Plotten greife ich immer auf alle drei dieser Varianten zurück:

  1. Exposé: Bevor ich schreibe, fertige ich oft schon das Exposé an. Eine Übersicht über die gesamte Story inkl. Genre, Abstract/Prämisse, Zusammenfassung und eine Übersicht der Charaktere. Praktisch dabei ist, dass man vor Versand an Agenturen/Verlage nur noch kleinere Anpassungen vornehmen muss.
  2. Treatment: Baut auf dem Exposé auf und stammt soweit ich weiß aus der Filmproduktion. Hier wird die Handlung Kapitel für Kapitel notiert, ohne zu intensiv auf bestimmte Szenen, Monologe und Dialoge einzugehen. Durch die Detailverliebtheit eines Treatments kann dieses schonmal mehrere Seiten lang sein (ca. 10 – 30), je nach Umfang deiner Geschichte (meine haben meist 120.000 – 180.000 Wörter).
  3. Post-its Plot: mein absoluter Favourit. Noch nie zuvor hatte ich so viel Spaß beim Planen meiner Stories. Dafür habe ich mir Plotwände gebaut u.a. mit Whiteboardfolie beklebt. Ich arbeite mit vier Post-it Farben. Grün für den Mainplot. Orange für die Subplots. Rosa für alles, was Beziehungen angeht. Gelb für die Wendepunkte.

Ich hoffe du kannst dir nun ein wenig mehr unter Plotten vorstellen. Bald werde ich tiefer in dieses Themengebiet eintauchen und dir einige bekannte und altbewährte Schreibmodelle vorstellen.