Autorenleben,  Schreibtipps

#8.2 Über Zweifel und Zweifler Part 2

So hast du wohl geguckt, als dir mal jemand sagte: Ich mag deine Geschichte nicht, geschweige denn dein Stil.

Nach #8.2 Über Zweifel und Zweifler Part 1 geht es heute mit Part 2 weiter, also mit den Zweiflern. Und ich spreche hier nicht von dir selbst als Zweifler, sondern von Personen aus deinem engeren oder auch entfernteren Umfeld. Ich glaube jeder begegnet solchen Menschen mal. Manchmal bleibt es bei einer kurzen Begegnung, aber viele mussten sich womöglich länger mit negativen Individuen rumschlagen. Lästig …

 

Über Zweifler

Es ist doch so: Unser Leben ist auch eine Geschichte und gerade wir wissen, dass in jeder guten Story auch Bösewichte auftauchen müssen. Sie schmeißen dem Protagonisten kleine oder große Steine, sogar Gebirge mit der Höhe des Mount Everest in den Weg. Und der Protagonist muss zeigen, wie sehr er wirklich ans Ziel kommen will, wozu er fähig ist. Gibt er auf? Natürlich nicht, er schlägt sich durch! Und auf dem Weg lernt er unheimlich viel dazu. So gesehen sind Zweifler zwar Antagonisten, aber auch deine Helfer.

Also akzeptiere sie und danke ihnen am Ende dafür, weil auch sie auf eine banale Art und Weise dein Antrieb waren der Welt zu zeigen, dass du einen verflucht genialen Traum und Plan hast, der mit allen Mitteln in die Tat umgesetzt wird. Aber lass uns einmal ins Detail gehen:

1. Dein Umfeld. Das beinhaltet deine direkten, potenziellen Kritiker sowie die Medien. Es besteht allgemeiner Konsens, dass du nicht jeden Leser begeistern wirst. Von 83 Millionen Menschen, die in Deutschland leben, sind rund 25 Millionen Vielleser. Das sind verdammt viele. Denk bitte also nicht einmal daran, dass du jeden einzelnen von ihnen umhaust. Selbst Bestseller werden von manchen in der Luft zerrissen oder schlicht nicht gemocht. Es lebe die Vielfalt! Nun zu den Medien: Ich versuche mich mal neutral auszudrücken … Medien … manipulieren. Ups, hat nicht geklappt, egal. Sie können uns glauben lassen, was gerade der absolute Knallertrend ist und was zurzeit nun gar nicht gelesen wird, weil das sooooo 2008 ist! Social Media neigt zu Hypes – wochenlang geht es manchmal nur um Buch xy. Und du denkst dir: Niemals würde ich eine Liebesgeschichte schreiben. Niemals einen Thriller. Niemals kann ich so gut schreiben wie diese Autorin, besonders wenn jeder zweite Instagramblogger dieses Buch toll finden muss, damit es “in” ist. Niemals, niemals, niemals schaffe ich das. Unsinn. Auch in dieser Branche wird strategisch vorgegangen und es geht nicht immer nur darum sich Kundenorientiert zu fragen “Was wollen die wohl lesen? – eher “Wie bekommen wir die dazu, es lesen zu wollen?”. Das heißt nicht, dass die Individuen einer Masse nicht auch dein Buch lesen würden.

 

 

2. Zielgruppe. Du kannst nicht jeden begeistern, aber hinterfrage trotzdem deine Zielgruppe. Wenn du diese Geschichte auch für andere schreibst, was sollte sie interessieren? Welche thematischen Kombinationen funktionieren? Mag deine Zielgruppe die Art von Protagonist und Antagonist? Muss ein bisschen mehr Humor ins Spiel gebracht werden? Ein bisschen weniger Klischees? Oder ganz viel Explosionen? Sei dir bewusst an wen deine Story adressiert ist und behalte das im Hinterkopf. Natürlich liest ein Mensch ganz unterschiedliche Dinge gerne, aber wenn du gerne junge Frauen ansprichst, solltest du eine Protagonistin, die zu allem demütig Ja und Amen sagt, vielleicht vermeiden. Außer sie heißt Anastacia, dann ist das Casting für die Verfilmung so gut wie terminiert.

3. Gründe. Damit meine ich die Gründe der Zweifler, die du hinterfragen solltest. Aus welchem Grund glauben sie nicht an deine Geschichte oder an das Schreiben allgemein? Manche Menschen machen andere runter, damit sie sich selbst besser fühlen. Vielleicht weil es um die eigenen nicht erfüllten Träume geht, die Diszilpin, die selbst nie aufgebracht wurde. Sie könnten sich aber auch einfach um dich sorgen, weil sie glauben du solltest deinen Fokus auf etwas anderes legen und nur durch Zweifel den Weg darin sehen, dich dazu zu bewegen. Oder aber sie können nicht nachvollziehen, wie zum Teufel man es sich antun möchte, monatelang Wörter aneinanderzureihen, zu überarbeiten und neu zu schreiben, nur um dann non-stop ein Zuhause für diese Geschichte zu finden. So ist das Leben. Nicht jeder versteht jedermanns Leidenschaften. Fragt mich nicht, wieso die ganze Welt alle paar Jahre 22 Männern dabei zuguckt einem Lederball hinterherzulaufen, wofür auch noch ein paar Hektar Regenwald draufgingen. Interessiert die, dass ich daran zweifle? Wohl kaum – obwohl es sie interessieren sollte. War vielleicht nicht mein bestes Beispiel … Naja wie dem auch sei: Euch interessiert das mit den Zweiflern nicht! Es ist wie es ist. Sie werden ihre Gründe haben, aber ganz ehrlich, was haben die für dich persönlich für einen Wert? Keinen.

4. Gleichgesinnte. Es ist immer gut mit Menschen zu sprechen, die Ahnung haben, wovon du redest. Wie oben bereits erwähnt, ein Bücherwurm oder ein Autor wird wohl besser nachvollziehen können, wieso du schreibst als ein Mensch, der sich mal so gar nicht damit identifizieren kann. Dinge, die man nicht versteht, können hinterfragt oder sogar abgelehnt werden, was sich dann negativ auf dich auswirkt, weil deine Zweifel durch die Zweifler wachsen können. Freilich gibt es auch einfach tolle Menschen, die nicht in diesem Leben oder im nächsten freiwillig ein Buch anfassen würden, deine Leidenschaft aber total genial finden. Ich denke der Trick ist, sich nicht mit Leuten zu umgeben, die ablehnend sind. Alles negative: Dort ist der Ausgang. Bitte schnellen Schrittes dieses kreative Gebäude verlassen, danke. Das ist ein hartes Business und da kann brauchst du gute, konstruktive Leute an deiner Seite.

5. Selbstbewusstsein. “Ich sollte aufgeben, weil andere an mir zweifeln.” – Solltest du jemals nur ansatzweise so gedacht haben, dann ist das hier jetzt eine Warnung, das nie wieder zu tun. Glaub mir, ich bekomme es mit, wenn du nicht auf mich hörst! Du willst aufgeben, hast es vielleicht schon getan und ziehst dich zurück in deine Bubble, wo du dir einredest, dass das Schreiben einfach nicht dein Ding ist? Bloß weil andere meinten, das wäre wohl das beste … Wo bleibt dein Selbstbewusstsein? Ganz ehrlich, ich nehme sonst keine vulgären Wörter in den Mund, aber: Sch*** drauf! Liebst du das Schreiben oder nicht? Willst du stehenbleiben oder weiterkommen? Ich weiß, man hat Angst davor zu versagen, aber du musst akzeptieren, dass es kein Versagen ist, wenn andere nicht viel von deinem Schreiben halten. Wieso lässt du das von anderen bestimmten? Steh dazu, was du tust und wie du es tust. Hör nicht auf.

6. Ehrlichkeit. Sei ehrlich zu dir selbst. Denn ich möchte an dieser Stelle nochmal betonen, dass es hier um Zweifler geht, nicht um Kritiker. Letztere sind überlebenswichtig für ein Buch. Natürlich konstruktive, diplomatische Kritiker. Mehrere Leute zweifeln eine bestimmte Sache in deiner Geschichte an oder deinen Stil? Selbstreflektion ist beim Schreiben wichtig, ebenso wie sich einzugestehen, dass man nicht von heute auf morgen ein perfekter Autor wird. Das wird niemals passieren. Den wäre jeder Autor perfekt, gäbe es wohl weder Betaleser noch Lektoren noch Korrektoren. Also überleg, ob manche Dinge womöglich ihre Berechtigung haben, aber leider nicht gerade empathisch ausgedrückt wurden.

In einem Dankwort von Sarah J. Maas, steht “Zwischen der ersten Idee und der Veröffentlichung von Throne of Glass liegen zehn Jahre” – Zehn Jahre! Glaubst du wirklich innerhalb dieser zehn Jahre hat sie nicht an sich gezweifelt, haben andere nicht an ihr gezweifelt? Doch, natürlich! Aber sie hat weitergemacht, weil man dafür kämpfen muss, was man liebt. J.K Rowling sah sich selbst nach Harry Potter noch Zweiflern gegenüber (siehe hier). Sei einfach der Held deiner eigenen Geschichte, auch wenn du glaubst, du bist nicht für das Heldendasein gemacht – das dachten sie alle.

 

 

Und, um es auf Disney/Tiana-Art zu sagen:

Alle denken nur noch ich bin Irre,
ist mir egal.
Oft war ich verzweifelt, doch das ist vergangen.
Nichts und niemand hält mich jetz noch auf,
denn ich bin ganz nah dran.

 

Und, um es auf Anna-Art zu sagen: