Autorenleben,  Schreibtipps

#8.2 Über Zweifel und Zweifler Part 1

Dass wir auf äußere Einflüsse reagieren, liegt in unserer Natur. Was unser Gehirn abspeichert, ist nicht mehr zu löschen. Und dazu gehören auch Erinnerungen, die wir mit Negativem assoziieren und wieder aufgewirbelt werden, geraten wir erneut in ähnliche Situationen. Also … Danke liebe Amygdala und präfontaler Cortex. Aber hey, sie machen auch nur ihren Job und können auch gar nicht anders. So wenig wie du deine Gedanken stoppen kannst. Das macht sie jedoch lange nicht zu dem CEO im Unternehmen Autorenkopf. Das bist nämlich ganz allein du. Also erzähl deinen Zweifeln …

 

 

Über Zweifel

Betrachten wir mal den Status Quo: Das, was man liebt, tut einem eben manchmal auch weh. Manchmal glaubst du, es funktioniert nicht mehr, aber ohne geht es auch nicht. Aber hast du jemals jemanden sagen hören “Ach, das Schreiben! Das mach ich so ganz nebenbei, problemlos … und auch noch erfolgreich!” Jah klar … Niemand, wirklich niemand, sagt, dass Schreiben einfach ist und wer es tut, hat sich noch nie in seinen Worten verloren. Was, wenn ich so darüber nachdenke, echt langweilig klingt. Kommen wir zur Sache:

1. Vergleiche. Sie sind Gift. Aber leider tief verwurzelt. Je nach Kreisen, in denen du dich bewegst, ist es extremer. Alltagsbeispiel: Die Frage “Und welche Note hast du?” hat immer diesen hoffnungsvollen Unterton, der dir sagt, der Fragende braucht jetzt einen Ego-Push. Und den bekommt er durch dein eigenes Versagen. Verteufle diese Menschen nicht, denn vielleicht zweifeln sie genauso und können sich nur mit einem Vergleich retten. Das kann aber nach hinten losgehen, sobald du besser performed hast. Was macht den Vergleich überhaupt valide? Nichts. Besonders in der Autorenwelt geht bei sowas erstmal der Blick nach ganz oben, da wo die bereits renommierten Autoren sitzen. Aber Moment! Mit wem vergleichst du dich da? Richtig. Mit jemandem, der nach Jahren harter Arbeit endlich angekommen ist und mit Talent und Glück (machen wir uns nichts vor und das ist auch nicht negativ gemeint) einen Hype auslöste, eine Fan-Community hinter sich hat oder große Unterstützung durch die/den Agentur/Verlag erhält. Dieser Vergleich funktioniert einfach nicht. Das ist als wärst du gerade aus dem Ei geschlüpft und dir gleich mal vorwirfst, warum du nicht so hoch fliegen kannst wie die Kollegen mit der Flügelspannweite eines Albatrosses … Ein gelegentlicher Blick nach oben, gen Ziel, ist gut, aber wirf dir nicht vor, dass du nicht schon dort bist, sondern frag dich, wie du hinkommst. Schau mal genauer hin und nenne mir mehrere Namen, die sofort Erfolg hatten, die sofort alles richtig machten und nicht ein einziges Mal stolperten. (Kleine Vorwarnung, bevor du dir die Mühe machst mir tatsächlich Namen zu nennen: Du wirst kaum welche finden). Wo haben diese Leute angefangen? Deren Flügelspannweite betrug bestimmt nicht sofort über 3 Meter, so viel steht fest.

2. Erfolge anderer. Das gehört vielleicht ein wenig zu Punkt 1, aber will an dieser Stelle nochmal betont werden. Denn der Erfolg anderer ist Nährboden für Zweifel. Du siehst, dass andere mehr Follower bei Insta haben. Wieso? Du stehst in der Schlange zum Signieren, obwohl du gerne auf der anderen Seite wärst. Wieso? Du siehst, dass jemand freudig über einen Verlagsvertrag berichtet. Wieso? Wieso, wieso, wieso nicht ich? Wieso die? Bin ich zu schlecht? Was bringt es noch weiterzuschreiben? Ich werde das doch niemals schaffen. Kommt dir nicht bekannt vor? Absolut unmöglich. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer (und das will was heißen, denn ich brauche sie zum Schreiben – meine große Liebe), dass mindestens jeder zweite Autor solche Gedanken hatte oder hat. Und die sind meist nicht einmal böswillig gemeint, es ist einfach normal sich solche Fragen zu stellen. Zu sehen, wie andere etwas haben, wonach du dich sehnst, kann eine unliebsame Selbstreflektion auslösen. Heißt, du reflektierst deine geschriebenen Worte, die dann oft das erste Opfer deiner auftretenden Zweifel werden. Und schon haben wir das Problem. Die Leute, die erfolgreicher bei Bookstagram vernetzt sind, ihr Buchbaby bald in den Händen halten werden, signieren bis sie eine Sehnenscheidenentzündung haben, bekommen eine Bestätigung, nach der du dich sehnst. Was mich zum nächsten Punkt bringt.

3. Bestätigung und Selbstbewusstsein. Unser Verlangen nach Bestätigung beginnt im Kindesalter, sobald wir lernen, dass zwischen unserem Selbst und der Außenwelt zu unterscheiden ist. Je nach Entwicklung ist ein Mensch in seinem Leben mehr oder weniger darauf angewiesen. Ist das Bedürfnis nach Anerkennung groß, schließt das häufig auf ein geringes Selbstbewusstsein. Es ist nichts Verwerfliches, Lob und Bestätigung zu wollen. Ich glaube niemand beschwert sich darüber, wenn einem gesagt wird: “Wow, du schreibst einfach klasse.” Nehmen wir mal an du zweifelst, weil so etwas lange keiner mehr oder sogar noch nie jemand zu dir sagte. Was kannst du tun? Lies deine liebste Textstelle, um dir ins Gedächtnis zu rufen, dass dir etwas gelungen ist. Zeige deine Texte anderen Leuten und wenn es nur ein Zitat ist. Das ist für jemanden mit Zweifeln ein großer Schritt, aber sehr wirksam. Du denkst jetzt womöglich “Was, wenn ich Kritik bekomme oder nur negatives Feedback?” Dass Kritik dein Freund ist, habe ich hier erläutert. Du musst dich auf sie einstellen und lernen damit umzugehen, denn das gehört zum Schreiben dazu. Die Chance, dass du neben Kritik auch Lob bekommst ist da! Und deshalb lohnt es sich das Risiko einzugehen, um weiterzukommen. Sprich also darüber, tausch dich aus und am wichtigsten: Schreib weiter. Und glaub an dich.

 

 

4. Aller Anfang ist schwer. Du hast gerade erst mit dem Schreiben begonnen und es als ein neues Hobby entdeckt? Willkommen im Reich des totalen Wahnsinns! Zu einer Wahrscheinlichkeit von 95% wirst du es niemals mehr verlassen, sondern noch tiefer darin eintauchen. Wörter sind die schönste Sucht, die man haben kann. Aber du zweifelst an dir? Weil andere weiter sind oder du dein Geschriebenes noch nicht so fühlst. Kennt jeder und muss jeder durch. Wenn ich daran denke, womit ich angefangen habe … Lasst uns nicht weiter darüber sprechen. Aber das gehört zu einem Lernprozess dazu. Nehmen wir nochmal das Vogelküken und den Albatros. Du musst lernen zu fliegen und du wirst Startschwierigkeiten haben, dich ausprobieren müssen und deinen eigenen Weg finden, um dann irgendwann mit dem richtigen Luftstrom zum richtigen Zeitpunkt höher und höher zu fliegen. Das braucht Zeit. Ich kann es nicht oft genug sagen, Schreiben ist kein Kinderspiel und nur aus Fehlern kannst du lernen, wozu du als Autor fähig bist.

5. Motivation. Zweifel können dich bremsen oder dich motivieren. Wenn du an einer Sache zweifelst, kann das der nötige Auslöser dafür sein etwas zu verbessern. Es kann ein unterbewusstes Signal sein, dass etwas so nicht funktioniert, wie du es bisher geschrieben hast. Pack es an! Hinterfrage, ob du zurecht an etwas zweifelst. An einem Charakter, einer Szene, am schreiben selbst. Und dann schreib weiter. Ja, du hörst richtig. Denn wenn du dich jetzt abbremst, wirst du noch lange auf der Strecke liegen bleiben, statt dein Ziel zu erreichen. Aber was ist überhaupt dein Ziel? Geht es dir wirklich nur darum eines Tages deine Story in Buchhandlungen zu sehen? Natürlich möchte jeder Autor gerne veröffentlichen, das bestreite ich nicht. Aber geht es wirklich nur darum? Du widmest dich hier etwas, ohne zu wissen, was daraus wird. Aber ist das wichtig? Wenn morgen von und zu Zukunft vor deiner Haustür stünde und dir mitteilen würde: “Tut mir Leid, aber deine Story wird niemals verlegt werden.” … Würdest du dann aufhören zu schreiben? Nein? Ich auch nicht. Man lehnt ja auch Sauerstoff nicht einfach so ab.

Zweifel kommen jeden Mal besuchen á la:

Zweifel: “Hallo, ich habe mal wieder ein Zimmer in ihrem präfontalen Cortex gebucht, die Präsidentensuite, damit ich auch alles im Blick habe.”

Du lächelst gezwungen, obwohl es innerlich eher so aussieht:

 

… siehst aber nach: “Ahja, im anterioren cingulären Cortex, direkt unter dem obersten Hirnrindenlappen im Frontalhirn. Allerdings bauen wir zurzeit um und Frau Dopamin von der Motivation und Erkenntnis GmbH erhält die Suite im obersten Stock.”

Zweifel nickt einsichtig: “Jeder sollte sich mal wohlfühlen. Belohnung muss sein.”

“Erzählen Sie das mal dem Hippocampus!”

 

 

Ob man merkt, dass ich meine Bachelorarbeit damals über Neuromarketing geschrieben habe? …

Du weißt, was ich dir sagen will oder?

Nichts und niemand kann dich endgültig mit deinen Selbstzweifeln ins Reine bringen – nur du selbst. Liebe, was du tust. Sei ehrlich zu dir. Gib alles. Schreib weiter. Wer weiß, womöglich zweifelst du auch umsonst? Um es mal mit Kontra Ks Worten zusammenzufassen:

 

Es geht nicht um Perfektion, aber darum besser zu werden. Nicht besser als der Rest, sondern besser als du selbst.

 

… in zwei Wochen geht es weiter mit Part 2 Über Zweifler