Autorenleben,  Schreibtipps

#8.1 Mit Absagen umgehen

Nachdem ich mich auf meinem Instagram Kanal zum Tabu-Thema “Absagen” äußerte, erhielt ich sehr viele positive Rückmeldungen. Was mich besonders freute war, dass meine Worte, die sehr spontan einfach mal gesagt werden mussten, einige wieder aufgemuntert haben (du kannst die Stories in meinem Highlight “True Words” finden). Aus diesem Grund geht es heute ein wenig detaillierter um das Thema Absagen und wie du am besten mit solchen umgehen kannst.

Der Weg bis zum Versand deines Manuskripts war schon lang genug und Absagen geben dir das Gefühl, dass er einfach kein Ende nimmt, gar in einer Sackgasse endet. Besonders die Erste ist immer die Schwerste (meine erhielt ich am 30.04.2018 – das vergisst man nicht). Eins vorweg: Die Absagen werden sicher kommen und das ist normal. Gleichgültig wie deine Mitmenschen darauf reagieren (insofern du es ihnen erzählst), du solltest das immer im Hinterkopf behalten. Letztlich erzählte ich noch jemandem, dass ich eine Absage bekommen habe und dieser jemand hat reagiert, wie es viele tun: Mit der geballten Ladung Mitleid im Blick, gewürzt mit etwas “Schwarzmalerei”. Vor einem halben Jahr war so ein Ausdruck allein dazu fähig mich aus dem Konzept zu bringen. Heute zucke ich mit den Schultern und antworte mit folgenden Worten auf diese Blicke: Das ist normal, einfach weitermachen.

Diese Worte sollen weder Tatsachen verdrängen noch Rechtfertigung dafür sein sich auf der bisherigen Arbeit auszuruhen. Mir ist nur wichtig, dass du nicht den Mut verlierst, sobald du dich der dunklen Seite der Macht des Schreibens stellen musst. Eine Absage ist im ersten Moment eine Zurückweisung, welche schmerzt und dich nur zu gern mit dem netten Herrn Frust bekannt macht – was du herzlich dankend ablehnst.

 

 

Werde nicht Opfer negativer Emotionen. Du behältst die Kontrolle und entscheidest, wie Absagen dich beeinflussen. Entweder du lässt dich davon runterziehen oder du reißt dich zusammen und denkst dir: Jetzt erst Recht! Das ist derartig schwer, dass die Selbstzweifel und Erschöpfung immer wieder drohen dich zu besiegen. Dabei kannst du viel aus Absagen lernen, denn mit viel Glück bekommst du mehr als die “Copy-Paste-Absage” und du kannst das Feedback nutzen, um dich zu verbessern.

 

Gründe für Absagen gibt es einige:

1. Tausende Manuskripte. Versetz dich einmal in die Lage der Lektoren: Es landen je nach Agentur oder Verlag rund 20 bis 60 Manuskripte täglich auf deinem Tisch. Täglich. Das macht in der Woche 140 bis 420 Exposés inklusive Leseprobe. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich manche von ihnen ähneln ist zweifellos vorhanden. Das heißt es müssen Abstriche gemacht und harte Entscheidungen gefällt werden. Selbst wenn dein Manuskript womöglich gefällt, kann der kleinste Aspekt ein K.O. Kriterium sein.

2. Timing. Es passt gerade nicht ins Programm und das Genre, das du wähltest, ist zurzeit kein Trend und eher schlecht zu vermarkten. Vielleicht gibt es aber auch schon ein zu ähnliches Buch im Programm. Schlechtes Timing hat jeder mal und da hilft nur den Markt im Auge zu behalten und dranzubleiben.

3. Persönliche Meinung. Magst du jedes Buch? Kannst du den Hype um so manche Reihen nachvollziehen? Ich auch nicht immer. Und so ist es auch im Land der Literaturagenturen und Verlage. Lektoren sind eben auch nur Menschen und die haben alle einen unterschiedlichen Geschmack.

4. Aufbau deines Exposés. Du solltest dir viel Zeit für die Erstellung deines Exposés nehmen. Manche Lektoren beenden das Lesen, wenn sie mehr als einen Rechtschreibfehler oder eine katastrophale Formatierung vorgelegt bekommen. Halte dich auf jeden Fall an die individuellen Vorgaben der Agenturen/Verlage: Wie viele Seiten Leseprobe sind gefordert, sind Kurzbiographien der Charaktere notwendig, wird dein Genre überhaupt vertreten? Auch deine Zusammenfassung sollte so überzeugend wie möglich geschrieben sein, mal ganz zu schweigen von deiner Leseprobe. Meistens werden zwischen 20 und 50 Seiten verlangt, was nicht nur den Grund hat deinen Schreibstil kennenzulernen, sondern auch, dass deine Geschichte innerhalb dieser Seitenanzahl bereits in Fahrt kommen sollte. Deswegen lass dein Exposé auf jeden Fall nochmal von anderen gegenlesen. Hier gibt es meinen Schreibtipp rund um das Thema Exposé.

 

Glaub mir, du wirst lernen damit umzugehen. Das musst du sogar, wenn du an deinem Ziel einer Veröffentlichung festhalten möchtest. Und dabei ist dir die Liebe zum Schreiben eine große Stütze, denn nichts sollte sie schmälern, erst Recht keine Absagen. Vergiss niemals, wieso du schreibst! Nicht für Ruhm und Ehre – das wissen wir Autoren am besten. Denk bloß mal an eine Zukunft, in der du es geschafft hast und stolz darauf sein kannst, dass du weitergemacht hast. Diese Zukunft kann Realität werden, aber nur, wenn du nicht aufgibst.

 

A writer is a writer not because she writes well and easily, because she has amazing talent, or because everything she does is golden. A writer is a writer because, even when there is no hope, even when nothing you do shows any sign of promise, you keep writing anyway

– Junot Diaz

 

Nun kommen wir zu ein paar Beispielen, die mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Wenn du mehr zu den jeweiligen Posts oder Artikeln erfahren willst, einfach auf die Bilder klicken.

 

 

 

121 … just saying. Über Harry Potter brauchen wir ja gar nicht erst zu reden – obwohl doch! Denn wie du vielleicht weißt, hat J.K. Rowling ein Pseudonym namens Robert Galbraith. Um Autoren aufzubauen, hat sie die Absagen getwittert, die sie als Robert Galbraith für ihre Reihe bekam. Diese zeigen, dass Agenturen und Verlage leider auch mal riesige Fehler begehen und es schwer ist sich als “Namenloser” in diesem Markt durchzusetzen.

 

 

 

Ganz klar, J.K. Rowling sollte sich ganz dringend eine Schreibgruppe suchen, um sich zu verbessern … gerne kann sie meiner beitreten. Ich glaube wir haben sowieso sehr viel gemeinsam, denn sie sagte einmal, dass sie jede einzelne Agentur/Verlag kontaktieren würde, bis keine mehr übrig bleibt und, dass man gerade mutig ist, wenn man nichts zu verlieren hat. Bist du dabei? Du hast nur etwas zu gewinnen!

Ist aufgeben also eine Option?