Schreiben,  Schreibtipps

#6 Schreibblockade? Alles nur in deinem Kopf

Da sitzt sie. Mit baumelnden Beinen und teuflischem Lächeln hat sie es sich in deinem Kopf gemütlich gemacht: die Schreibblockade.

Ich bin Verfechterin des Statements: es gibt keine Schreibblockade! Jetzt werden einige den Kopf schütteln und rufen: Doch, es gibt sie!

Aber wieso dem Kind überhaupt einen Namen geben? Erstens hat dieses Etwas keinen verdient und zweitens bekommt es so nur mehr Gewicht. Und das ist der Fehler! Denn sobald du dir einredest eine Schreibblockade zu haben, knallst du eigenhändig die Tür zur Lösung zu. Negative Gedanken blockieren, wie ich bereits öfters erwähnte und das hemmt deinen Schreibflow und deine Gedanken. Du hast keine Schreibblockade, du “machst” sie dir. Lösch dieses Wort einfach aus deinem Kopf. Ab heute setze ich es auf “Die rote Wortschatzliste”.

Das ist wie mit dem Monster unterm Bett. Man kuschelt sich in die Ecke und hofft, dass es verschwindet. Dabei musst du dich dem stellen, denn dann wirst du schnell bemerken, dass nicht das Monster die Hosen anhat, sondern du! Und du bestimmst, ob es mit dem Schreiben klappt oder nicht.

Also, here we go. Es folgen Tipps gegen die Schreibblockade. Du (da dir das Wort ja seit wenigen Zeilen unbekannt ist):

 

 

  1. Unzufriedenheit. Mein Grund Nummer Eins, wenn es bei mir mal holprig wird: Etwas stimmt nicht. Ob es an deinem Plot, einem deiner Charaktere oder dem letzten Kapitel, das du geschrieben hast, liegt. Du merkst, dass die Geschichte nicht aufgeht oder hängst noch einer Szene hinterher, die dich vom Schreiben der Aktuellen ablenkt? Es gibt zwei Wege, die du einschlagen kannst: entweder du lebst bis zur Überarbeitung damit oder findest sofort raus, wo der Schuh drückt.
  2. Schreib. Immer diese weisen Ratschläge, ich weiß … Aber dieser hier ist effektiv. Schreib einfach. Und wenn es Szenen sind, die gar nichts mit deinem aktuellen Projekt zutun haben. Schreiben ist eine Gewohnheit, wie das Frühstück am Morgen, Fitnessstudio (wenn’s nur so wäre 😂) usw. Dein Ziel sollte es also sein, das Schreiben zur Routine zu machen, plane täglich einen gewissen Zeitraum dafür ein und schreib zum Beispiel die Szenen, auf die du richtig Lust hast.
  3. Lies. Wir wissen alle: Lesen hat einen großen Einfluss auf unsere Inspiration. Aber ich meine nicht nur das Lesen von Büchern anderer, sondern auch das Lesen deiner eigenen Geschichte. Bevor ich anfange zu schreiben, lese ich fast immer die letzten Sätze, die ich am Tag davor geschrieben habe oder sogar ganze Kapitel. So finde ich mich so intensiv wie möglich in die Welt und momentante Situation ein und kann super an die letzte Szene anknüpfen.
  4. Angst zu versagen. Diese Einstellung solltest du vergraben – metertief … am besten Erdkernnähe. Denn du schreibst nicht, um irgendjemandem etwas zu beweisen. Du schreibst, weil du es liebst. Behalte dir das stets in Erinnerung! Es gibt kein 0 auf 100 und das solltest du auch nicht von dir erwarten, denn wenn du dich ständig runterziehst, kannst du nicht vorankommen. Du bist dein größter Kritiker, aber du bist auch dein größter Freund. Und was tust du, wenn deine Freunde mal zweifeln? Richtig, du ziehst sie wieder auf die Füße und gibst ihnen einen Schubs in die richtige Richtung.
  5. Freunde. Wo wir gerade bei ihnen sind. Dein soziales Umfeld, das schließt nicht nur den Freundeskreis ein, sondern auch Familie, Autorenkollegen, Schreibforen etc., können eine große Hilfe sein. Sprich mit ihnen über das, was dich aufhält. Womöglich haben sie eine gute Idee, Inspiration oder aber einfach nur ein offenes Ohr.
  6. Abstand. Manchmal hilft nichts besser als Abstand zu nehmen. Zwing dich nicht zu etwas, worauf du gerade einfach keine Lust hast. Stattdessen kannst du eine Pause einlegen oder dich einer anderen Geschichte widmen.
  7. Fokus. Gerade heutzutage sind wir sehr unkonzentriert, da es zu viele Reize von außen gibt. Mein Smartphone vibriert manchmal im Minutentakt und ob ich will oder nicht, es reißt mich aus der Geschichte raus. Deswegen kommt es beim Schreiben außer Reichweite und am besten noch in den “Schlafmodus”. Die Recherche kann dich ebenfalls ablenken, verschiebe sie also und markier die Textstelle mit einem Kommentar. Auch die Musik (für diejenigen, die beim Schreiben welche hören) kann ein Störfaktor sein. Stell dir vor du bist gerade mitten in einer Kampfszene, ein Charaktertod steht bevor, mit Haut und Haaren bist du dabei, bist einfach drin … und dann ertönt plötzlich “Think” von Aretha Franklin. Ob ich aus Erfahrung spreche? Yes, I do. Stimmungskiller lässt grüßen. Deswegen erstelle ich für jedes Projekt eine individuelle Playlist bzw. sogar Playlists nach “Szenen-Stimmung”.
  8. Deadlines. Ich kann unter Druck besser arbeiten. Wenn du auch zu diesem Typ Mensch gehörst, sind Deadlines eine riesige Hilfe. Autoren, die nicht mit Verlagen/ Agenturen arbeiten, können das Projekt meist aufschieben, weil sie nichts und niemand dazu zwingt es zu beenden. Das musst du also selber erledigen. Bleib dabei aber realistisch. Statt einer Deadline kannst du dir auch einen Wordcount setzen, denn du täglich/ wöchentlich erreichen willst.
  9. Versuch nicht jemand anderes zu sein. Ich erwische mich oft noch selbst bei dem Wunsch – besonders, wenn ich meine Lieblingsautoren lese – so schreiben zu wollen wie sie. Das ist weder gesund noch erstrebenswert. Natürlich sollst du Vorbilder haben, aber mach dir nicht zum Ziel jemand zu sein, der du nicht bist. Die Leute sollen deinen Stil lieben, deine Charaktere, deine Welten!
  10. Motivation. Last, but not least. Es ist eine Sache des Willens und wie du den aufrechterhältst, liest du im Beitrag #2 Ich kam, ich sah, ich schrieb.

 

Also, was ist eine Schreibblockade?

 

Sehr gut! Und jetzt geht’s ans Schreiben!